Jakobsweg Hornbach-Metz

Auf 130 km führen die Jakobswege von Hornbach nach Metz, mitten durch die saarländische und lothringische Kulturlandschaft. Die Jakobsmuschel weist Ihnen sicher Ihren Weg.

Pilgern zwischen den Zeiten und über Grenzen

Pilger

Pilger auf dem Jakobsweg

Die Pilger des Mittelalters, die vom Rhein kommend auf der alten Völkerstraße in Richtung  Santiago de Compostella zogen, hatten auf der Strecke bis Metz eigentlich keine Grenzen zu überschreiten. Sie liefen durch den Teil des ostfränkischen Reiches, der ihm nach der Aufteilung des lotharingischen Mittelreiches zugefallen war. Zwar gab es viele lokale Grafen und Herrscher, die durch die Schwäche der Kaiser erstarkt waren, aber sie hatten selten geschlossene Territorien, die durch Grenzen oder Grenzwachen gesichert waren. Nur Wegezoll auf gesicherten Wegen (Geleitstraßen) war üblich, von dem die Pilger aber befreit waren.

Der Pilgerstrom begann im 9. Jh. und setzte sich bis ins 16. Jh. fort. Die Reformation, die Bildung der Nationalstaaten und auch die Angst der katholischen Kirche vor dem Transport ketzerischen Gedankengutes hatten dem Fernpilgern fast ganz ein Ende gesetzt. Im 18. Jh. gewann eine regionale Pilgerschaft an Bedeutung, z. B. nach Gräfinthal, dann aber unter kirchlicher Leitung.

Der Nordweg von Hornbach über Saarbrücken zum Herapel

Stiftskirche St. Arnual

Stiftskirche St. Arnual

Dieser Weg ist heute ein typischer Grenzweg, der entlang oder durch alte Befestigungsanlagen wie Westwall und Maginotlinie läuft, vorbei an Kriegsgräberfriedhöfen und –denkmälern.

Ausgangspunkt ist das Grab des hl. Pirmin in Hornbach. Der Pilgerweg führt größtenteils durch die Parklandschaft des nördlichen Bliesgaus, eine typische Muschelkalklandschaft mit ausgedehnten, freien Hochflächen, weiten Blicken und steilen, dicht bewaldeten Abhängen. Auf das Schwalmtal folgt das Bickenalbtal mit Mittelbach und Hengstbach, dem letzten Dorf in Rheinland-Pfalz.

Der anschließende Abstieg ins Bliestal ermöglicht den Besuch des lauschigen Barockstädtchens Blieskastel, das neben vielen touristischen Verlockungen die für den Pilger bedeutsame Schlosskirche und das ehemalige Kapuzinerkloster mit dem Gnadenbild in der Kreuzkapelle bereit hält. Von dort steigt der Pilger hinauf zum „Gollenstein“, einem keltischen Menhir, der in späteren Jahrhunderten als Wegmarke diente. Nach  dem langen Tal bei Alschbach erreicht der Pilger auf der nächsten Höhe die Kirche von Biesingen, einen neugotischer Bau des 19. Jahrhunderts. Der weitere Pilgerweg bis Selbach und Heckendalheim folgt einer alten Römerstraße und bietet einen weiten Rundblick.

Vor Heckendalheim kreuzt der Weg Bunkeranlagen des Westwalls und die ehemalige Höckerlinie. Am Flughafen Ensheim vorbei, durch das Wogbachtal und den Ort Bischmisheim mit seiner bekannten „Schinkelkirche“ eröffnet sich dem Pilger beim hohen Punkt des Wasserturms einen weiten Blick zurück durch das Grummbachtal bis St. Ingbert, nach Norden auf die Satellitenstadt, den Eschberg. Da der ganze Berghang von der Schlackenhalde der Brebacher Hütte in Beschlag ist, steigen die Pilger über den alten Mühlenweg hinunter in die Hüttenstadt Brebach. Vorbei am Hüttentor gelangen wir über die St. Arnualer Wiesen zur Saar und über die „GeisterBrücke“ nach Saarbrücken-St.Arnual.

Aber die Stiftkirche St. Arnual blieb für die Pilger damals wie heute das wichtigste Ziel. Die heutige gotische Kirche konnten die Pilger erst seit dem 14. Jahrhundert besuchen, aber es gab ja bereits fünf Vorgängerbauten, von denen der letzte romanische Bau fast so groß war wie der heutige gotische Bau. Bis auf St. Avold und Metz ist sie die wichtigste Kirche: die Mutterkirche der Christianisierung im 7. Jahrhundert an der oberen Saar und die Mutterkirche der Reformation im 16. Jahrhundert in der Grafschaft Saarbrücken.

Von der Stiftskirche führt der Weg auf der alten Römerstraße Worms-Metz durch das Almet über das Schlachtfeld des 1870er Krieges, der vorgeschobenen Westwalllinie, vorbei an den alten Kriegerdenkmälern hinauf zur Spicherer Höhe mit einer französischen Kriegergedächtnisstätte und einem deutschen Soldatenfriedhof.

Damit ist auch die deutsch-französische Grenze überschritten. An Spichern vorbei geht der Weg zur Bergkante mit den Bunkern der Maginotlienie, dann oberhalb der Autobahn bis zur Kreuzkapelle vor Forbach. Weiter geht es zur Forbacher Burg, einem romantisierenden, neogotischen Nachbau einer alten Anlage.

Danach haben die Pilger die Wahl über die Ötinger Höhe oder entlang der Autobahn nach Morsbach und zum Hérapel zu wandern. Sobald die Höhe erreicht ist, mündet von links der Südweg von Sarreguemines ein. Virtuell stehen die Pilger an dieser Stelle vor dem Tor und der mächtigen Mauer der kelto-romanischen Stadt des 3. Jahrunderts. Zielpunkt auf dem Hérapel, wo die Reste der römischen Stadt unter der Erde liegen, ist die Chapelle St. Helène, die in ein römisches Mithrasheiligtum hineingebaut.

Der Südweg von Hornbach über Saargemünd zum Herapel

Saargemünd

Saargemünd

Der südliche Pilgerweg beginnt ebenfalls am Grab des hl. Pirmin, verläßt das Schwalmtal und überschreitet auf der Höhe die rheinland-pfälzisch/saarländische Grenze. Auf der Höhe angekommen, öffnet sich der Blick ins Bickenalbtal mit Altheim und Böckweiler und zu den Bliestalhöhen. Der Pilger steigt einen alten Weg hinunter zu der Altheimer Kirche mit dem beeindruckenden frühgotischen Turm und einer Jakobusstatue im Innern und wandert, wiederum auf einem alten Weg nach Böckweiler, einem Priorat des Klosters Hornbach.

Mit dem nächsten Anstieg erreicht der Pilger einen Höhenweg, den Saarlandrundwanderweg. Oberhalb von Seyweiler lohnt ein kleiner Umweg nach Medelsheim, weil es dort nicht nur hinter der Martinskirche den alten gotischen Chor mit den Fresken gibt, sondern auch ein wunderschönes Altarretable und vor der Kirche ein schön restauriertes Kreuz mit einer Figur, die den hl. Wendalinus mit einer Muschel am Hut darstellt.

Der Pilger folgt von Medelsheim aus dem Kreuzwanderweg. Vorbei an Walsheim, Herbitzheim an der Blies und Rubenheim erreicht er das Dörfchen Bebelsheim. Hier im Mandelbachtal überschreitet unser Weg die alte Geleitstraße von Blieskastel nach Saargemünd. 

Der Südweg ist eine richtige Berg- und Talbahn, und gleich geht es auch wieder hinauf zum Brudermannsfeld. Die Baumgruppe mit dem alten Kreuz ist ein legendärer Ort, an dem ursprünglich eine Einsiedelei mit dem Gnadenbild der Madonna mit den Pfeilen aus Blieskastel gestanden haben soll. Seit Rubenheim sind wir auf einem regionalen Pilgerweg, der uns jetzt durch den Buchholzerwald auf dem Weg der sieben Schmerzen Mariens, vorbei an verfallenden Weinbergsmauern, zum Kloster Gräfinthal führt. 

Von dort führt der Weg wieder auf die Bliesgauhöhen. Mit oder ohne eine Schleife zur Wendalinuskapelle bei Bliesransbach gelangt der Pilger durch den Hartungshof hinauf auf den Dragonerweg. Auf dem Dragonerweg geht es bis zur „Wolfsbuch“.

Auf dem Wehrholzerweg gelangt der Pilger nach Auersmacher, dem saarländischen Passionsspielort, mit dem „alten Bauernhaus“ gegenüber der Kirche. Weiter in Richtung Rilchingen, laden am Ortseingang die Barmherzigen Brüder ein, durch ihren schönen Park den Weg zu nehmen, vorbei an den Brunnentürmen der Gräfin Marianne von der Leyen. Weiter führt der Pilgerweg hinunter an St. Walfried vorbei bis zur alten Furt. Gegenüber liegt das ehemalige Benediktinerkloster Welferdingen. Da es  keine Fähre mehr hier gibt, überquert unser Weg die Saar auf einer Eisenbahnbrücke und erreicht Frankreich und die erste Stadt mit französischem Flair, Sarreguemines, „porte de France“.

Erst wenn der Pilger wenigstens die Kirche St. Nicolas besucht hat, sollte er am Ufer der Saar entlang nach Welferding gehen. In Noussviller-St.Nabor ist die schmucke Barockkirche besuchenswert. Nach vorne weitet sich die Sicht über das Rosseltal bis zur Höhenkante hinter Longeville-les-St. Avold mit dem Mutschenberg; davor unübersehbar die petrochemische Anlage von Carling. Im Süden begrenzt den Blick nur der lange Westkamm der Vogesen. Über Tenteling, Ebring und Folkling erreicht der Pilger den Hérapel. Nord- und Südweg treffen sich am Stadttor der kelto-romanischen Stadt des 3. Jahrhunderts. Das Ziel ist die Chapelle de St. Helène in einem römischen Mithrasheiligtum.

Der Weg durch Lothringen vom Herapel bis Metz

Metz

Metz, Cathédrale

Nach dem Abstieg vom Hérapel führt unser Weg über Cocheren, Béning und Betting nach Hombourg-Haut, auf einer Bergnase über der Rossel gelegen. Beim Aufstieg hinter Betting hat der Pilger rechter Hand das ganze Industriegebiet des lothringischen Kohlbeckens vor sich liegen. Kurz später als Kontrast der Blick auf das mittelalterlich wirkende Städtchen Hombourg-Haut mit seiner schönen gotischen Kirche und den Resten der bischöflichen Burg mit der aber noch erhaltenen Kapelle St. Catherine.

Über die Höhe des Galgenberges erreicht der Pilger St. Avold. Der lichte und helle Barockbau hat eine gotische Grablege, ein Altarretable und eine schöne mittelalterliche Kreuzigungsgruppe aus seinem Vorgängerbau aufzuweisen.

Für die lange Strecke von St. Avold nach Courcelles-Chaussy, zwischen 28 und 32 km, bieten sich zwei Varianten an. Der GR 5 G mit den rotweißen Zeichen und ab und zu die Muschel oder auf dem Hugenottenweg, blaues Hugenottenkreuz auf weißem Grund, den der Pilger auf zweifache Weise erreichen kann. Bis kurz vor Longeville sind beide Varianten vereint. Die Variante 2 trifft bei Kleindal hinter Longeville auf den Hugenottenweg und folgt diesem über den Mutschenberg nach Bouchepron. Von dort geht es auf einer alten und langen Römerstraße über Narbéfontaine ins Tal der „Nid allemande“ und durch einen großen Wald hinter Vaudoncourt ins Tal der „Nid francaise“ nach Courcelles-Chaussy.

Der GR erreicht zunächst Longeville, eine mächtige und reiche Benediktinerabtei aus dem 6. Jh. Auf der alten napoleonischen Straße steigt der Pilger hinauf bis zum höchsten Punkt des Pilgerweges, auf 4oo m, und trifft auf ein Fort der Maginotlinie und ein Denkmal für Gefallene und Deportierte. Der Pilger lässt die Industrielandschaft hinter sich und wandert durch dünn besiedeltes, landwirtschaftlich genutztes Gebiet bis Metz.

Nach einem kurzen Stück auf einer alten Salzstraße durchquert er ein großes Fort, „ouvrage de Bambesch“, und steigt dahinter hinab nach Bambiderstroff zur Sebastianskapelle mit einem schönen Kreuz. Der Aufstieg am Ende des Dorfes hinauf auf eine Höhe lohnt sich: Es eröffnet sich ein Panoramablick über die beiden Täler der französischen und der deutschen Nied bis zu den Moselbergen. 

Über Dorville, Guinglange, Fouligny, Raville und Frécourt führt der Weg nach Courcelles-Chaussy. Zwischen dem Hugenottenfriedhof und der alten verfallenden Hugenottenkirche betritt der Pilger den Ort und stößt sogleich auf die neugotische Hugenottenkirche mit der Kaiserloge, ein Geschenk Kaiser Wilhelms. Neben dieser Kirche gibt es auch eine katholische Kirche und einen jüdischen Friedhof außerhalb des Dorfes an der Straße nach Servigny.

Auf dem alten Bahndamm der Strecke Metz-Boulay verläuft der Wanderweg durch das Tal der „Nid francaise“, vorbei an Pange mit seinem schönen Chateau und Schlossgarten. Hinter Ponte Domangeville führt der Weg über die Dörfer Villers, Massily und Ars-Laquenexy durch die Forts des Bois de Mercy in die Metzer Vorstadt „Granche au Bois“. Vorbei am Lac Ariane, über die Autobahn Metz-Nancy zum Lac Symphonie und durch eine kleine Parkanlage und durch die „route de Bony“ begibt sich der Pilger hinunter zur Seillebrücke, dann zur „porte allemande“, durch die er in die Stadt einzieht: Quer durch die Altstadt, am Centre St. Jacques vorbei, steht er  auf dem Platz vor der Kathedrale St. Etienne (St. Stephan) von Metz.

Jetzt sind es noch gut 2000 km bis Santiago de Compostella.