Best-Practice: Altbausanierung

Ideen für die energieeffiziente Sanierung älterer Häuser bietet ein Zweifamilienhaus in Trier. Umweltberater Johannes Hill hat es mit Grasdach, Pelletsheizung, Lehmputz, Wärmedämmung, Lüftungsanlage und Wandheizung modernisiert.

Energie-Verbrauch: Altbausanierung lohnt sich!

Johannes Hill bei der Außendämmung Johannes Hill bei der Außendämmung
  • Vor dem Umbau 1995 (75 qm KG und 125 qm EG) zwischen 4-5.000 l pro Jahr (20-25 l Heizöl/qm/Jahr). Während der Aufstockung Anstieg auf 5.500 l (fehlende Dämmung, Fenster).
  • Im ersten kompletten Bezugsjahr 1998 (Treppenhaus und unterer Anbau noch ungedämmt) wieder bei 4.500 l, d.h. bei fast verdoppelter Wohnfläche (380 qm) ein Verbrauch von 12 l pro qm (Durchschnitt Alt- und Neubau).
  • Zukünftig wird eine deutlich verbesserte Wärmedämmung des alten EG den Gesamtverbrauch auf ca. 5-7 l pro qm reduzieren.
  • Alle Angaben witterungsbereinigt, Holz- und Pellets-Verbrauch auf Heizöl umgerechnet.
  • Verdichtetes Bauen/Flächenversiegelung: Durch die Aufstockung des Hauses hat sich die Wohnfläche auf dem Grundstück verdoppelt, ohne dass eine Überbauung im gleichen Maße erfolgt ist

„Sonne“ auf dem Grün-Dach

Grasdach mit Solaranlage Grasdach mit Solaranlage

Gründach-Aufbau: durchwurzelungsfeste Dachfolie, Schutz- und Speichervlies, 10 bis 15 cm Spezialsubstrat, Zusatzlast 150 kg/qm, insgesamt 50 to.
Bepflanzung: Auf den drei Gauben (6° geneigt) Bepflanzung mit Ballenpflanzen, im 16°-Bereich Vegetationsmatten auf verrottbarem Gewebe (Kokosfasern), in den Steillagen (34°) Schubschwellenkonstruktion und verrottungsfeste Vegetationsmatten. In Teilbereichen Aufhügelungen mit Staudenbepflanzung, Lavendel, zusätzliche Zwiebelbepflanzung, Mini-Teich als Vogeltränke sowie Kräuterbeet. Durch die Begrünung natürliche Kühlung des Gebäudes im Sommer, Schutz der Dachhaut vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen, ökologisch interessante Flächen, zusätzliche Dachgarten-Aufenthaltsflächen, natürlicher Übergang Gebäude-Wald.
Solaranlage: 20 qm Solaranlage mit Hochleistungsabsorbern im Selbstbau mit dem Solarverein Trier. Nutzung für Brauchwasser und Heizung
Regenwasser: Rückhaltung von 70 % des Jahresniederschlags durch das Gründach,
Sammlung der Dachentwässerung in 3 unterirdischen Wassertanks (8500 l, Zusatztank geplant). Nutzung in 5 Toilettenspülungen und Gartenbewässerung.

„Holz“ im Ober-Geschoss

Im Bau: Thermodämmung mit Hanf Ökohaus in Trier: Aufstockung 1995 mit 180 qm Wohnfläche, sichtbare Leimholz-Ständerkonstruktion, 16 x 16 cm, 320 m² begrünte Dachfläche mit Neigungen von 6°, 16° und 34°, großer Dachüberstand als konstruktiver Holzschutz
 

Baustoffe: Lärchenholz im Außenbereich, Kiefernholz im Deckenbereich, Kastanienholz als Fußboden, geöltes Buchenholz im Bad- und Küchenbereich, Holz-Weichfaser-Platten als Trittschalldämmung, überwiegend Holzmöbel, Naturkalk- und Lehm-Putze an den Innenwänden.
Wärme-Dämmung: Holzfenster mit u-Wert 1,3 und Zellulose-Flocken (ca. 16 cm Isofloc) in den Außenwänden, Kachelofen: elektronisch geregelte, rostlose Muldenfeuerung mit keramischen Zügen, Backofen und Wasseraufsatzkessel, Integration in das Gesamt-Heiz- und Solarsystem. Im Winter wird der Ofen 1-2-mal am Tag mit einem Korb (10 kg) trockenem Scheitholz befeuert, ausreichend für angenehme Strahlungswärme sowie den kompletten Warmwasserbedarf des OG. 40% Restwärme wird über Wärmetauscher und gemeinsamen Pufferspeicher an Keller- und Erdgeschoss abgegeben.
Verbrauch: 5-8 Festmetern Holz = ca. 100-200 Euro je nach Holzpreis, 8 x Asche entfernen/Jahr.
Wandheizung: 800 m Kunststoffrohr in allen vorhandenen Putzflächen. Große Flächen ermöglichen eine sehr geringe Vorlauftemperatur (ca. 27° C). 15 unabhängige Heizkreise an 2 Verteilern mit elektronischen Raumthermostaten. Planung und Bau in Eigenleistung. Die Leistung des zentral stehenden Kachelofens ist aber ausreichend, um im Winter komplett auf Wandheizung zu verzichten.
Sonne statt Strom: Waschmaschine (über Vorschaltgerät) und Geschirrspüler sind direkt am Warmwassernetz angeschlossen. Damit ersetzen Holz und Sonne teuren Strom zum Heizen.
Lüftungsanlage: nachträglich 2005 installiert; zentrales Lüftungsgerät im EG

„Lehm“ im Erd-Geschoss

Im Bau: Thermohanf-Außendämmung Im Bau: Thermohanf-Außendämmung

Baustoffe: Verwendung von (farbigen) Lehmputzen als „Anstrich“ über 4-10 cm Lehmunterputz, regionale Eichen-Massivholzböden und Korkschrotdämmung ersetzen Betonestrich und Teppichboden, Badmodernisierung (mit Lehmputz) und teilweise Elektrosanierung, Wärme-Dämmung: 29 cm Thermohanf-Außendämmung mit Trägersystem „Lambdaplus“
Fenster: Vergrößerung der Südfensterflächen („barrierefreie Zugänge“) und Einbau von Passivhausfenstern (u = 0,7) bündig mit der Außenfassade (zum späteren Überdämmen) Wandheizung: Stufenweiser Ersatz aller Heizkörper durch Niedertemperatur-Strahlungs Wandheizungen
Lüftungsanlage: zentrale kontrollierte Wohnungslüftung (EnevAir, 2005) mit Wärmerückgewinnung > 92% und Vortemperierung über 45 Meter Erdreichwärmetauscher im neu hergestellten Dränagebereich, nachträglich installiert

„Technik“ im Keller-Geschoss

Wärmeaustauscher Wärme-Austauscher

Wärme-Dämmung: Außendämmung ab Fundament (16-20 cm Perimeterdämmung), dabei Drainage und Abwasser erneuert
Fenster: Neue Fenster- und Tür-Öffnungen sowie Verglasung vorher dunkler Keller- und ehemaliger Garagenbereiche, Vergrößerung der Südfensterflächen und Einbau von Passivhausfenstern (u = 0,7)
Wohnräume: Teilweise Wandheizung in Lehmputz wie im EG
Wärmespeicher: Zwischenspeicherung der Wärme aus Solaranlage, Pelletskessel und Kachelofen in einem 800 l Puffer- und 750 l Brauchwasserspeicher, aufgrund fortlaufender Umbauten noch unvollständig gedämmt, geplant: größerer Jenni-Speicher
Pelletskessel: Seit 2001 CO2-neutraler Betrieb der Heizungsanlage durch automatischen Pelletskessel zusammen mit Kachelofen (OG) und Solaranlage (Dach). Verbrennungsluft zum Pelletskessel wird raumluftunabhängig (Vorerwärmung über Erdreich) zugeführt
Steuerung: Zentrale Steuerung und Regelung (UVR 1611) für Solaranlage, Kachelofen, Pelletskessel, Heizkörper des Altbaus, Wand- und Fußbodenheizung, Brauchwasser. Zeitliche und witterungsabhängige, bedarfsorientierte Programmierung, über einen PC im Wohnbereich kontrollier- und veränderbar. Datenaufzeichnung, Wärmemengen- sowie Kalt/Warmwasserzähler für Controlling und Optimierung der Anlage
„Natur“ im Garten: Naturnahe Terrassen- und Gartengestaltung „auf einer Ebene“ (2002) mit kleiner Imkerei
In Planung 2010ff: Felsenkeller (zur Vorratslagerung) sowie 100% Regenwassererfassung und -nutzung,

Schlagworte dieser Seite

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um Seiten mit den gleichen Schlagworten anzuzeigen.